Mobilität bedeutet Selbstständigkeit: Help-24 unterstützt das Haus Mira in Wien

Manchmal sind es Wege, die für andere selbstverständlich erscheinen: kurz an die frische Luft fahren, einen Termin wahrnehmen oder selbst entscheiden, wann man das eigene Zimmer verlässt. Für Menschen mit körperlichen Einschränkungen können genau diese alltäglichen Dinge jedoch eine große Herausforderung darstellen.

Wie wichtig Mobilität für Selbstständigkeit und gesellschaftliche Teilhabe ist, zeigt die Arbeit des Haus Mira der Caritas im 21. Wiener Gemeindebezirk. Rund 100 geflüchtete Menschen leben dort derzeit in 50 Wohneinheiten. Viele von ihnen sind ältere Menschen oder leben zusätzlich mit chronischen Erkrankungen und körperlichen Einschränkungen.

Um einige Bewohnerinnen und Bewohner in ihrem Alltag zu unterstützen, stellte Help-24 dem Haus Mira einen faltbaren FreedomChair T3 Elektro-Rollstuhl sowie ein FreedomChair S1 Elektromobil zur Verfügung.

Haus Mira: Ein sicherer Ort nach der Flucht

Das Haus Mira wurde 2022 als direkte Reaktion auf den Krieg in der Ukraine gegründet. Die ersten Bewohnerinnen und Bewohner kamen nach einer tagelangen und äußerst strapaziösen Flucht in Wien an. Darunter befanden sich viele ältere Menschen sowie Personen mit chronischen Erkrankungen und starken körperlichen Einschränkungen.

Heute leben im Haus Menschen unterschiedlicher Generationen zusammen, darunter Familien und Mütter mit Kindern ebenso wie viele ältere Personen. Unterstützt werden sie von einem multiprofessionellen Team aus Sozialarbeit, Verwaltung, Nacht- und Wochenendbetreuung sowie Haustechnik.

Dabei geht es längst nicht nur darum, eine Unterkunft zur Verfügung zu stellen.

Ziel ist es, den Bewohnerinnen und Bewohnern einen sicheren Rahmen zu bieten, in dem wieder Alltag, Stabilität und eine Perspektive entstehen können. Denn Flucht bedeutet für viele Menschen auch einen weitreichenden Verlust von Sicherheit und Selbstbestimmung. Ein geregelter Tagesablauf und verlässliche Ansprechpartner können dabei helfen, Schritt für Schritt wieder Kontrolle über das eigene Leben zu gewinnen.

Hilfe zur Selbsthilfe im täglichen Leben

Ein zentraler Grundsatz im Haus Mira lautet deshalb: Selbstständigkeit fördern.

Das bedeutet nicht, den Menschen sämtliche Aufgaben abzunehmen. Vielmehr begleitet das Team sie dabei, Dinge langfristig wieder selbst bewältigen zu können.

Das kann ganz unterschiedlich aussehen: gemeinsam den Weg zu einer Ärztin oder einem Arzt üben, bei bürokratischen Angelegenheiten unterstützen, Anträge erklären oder bei deren Ausfüllen helfen. Hinzu kommen Sprachförderung, psychosoziale Unterstützung, Hausaufgabenhilfe für Kinder und gemeinsame Aktivitäten.

Gerade vermeintlich kleine Erfolge sind dabei von großer Bedeutung.

Ein selbstständig erledigter Einkauf, ein verstandener Brief oder ein Weg, der plötzlich wieder ohne Unterstützung möglich ist, kann den Betroffenen ein wichtiges Stück Eigenständigkeit zurückgeben.

Warum Mobilität dabei eine so große Rolle spielt

Wer in Wien lebt, muss mobil sein können. Arzttermine, Spitalsbesuche, Behördenwege, Einkäufe oder soziale Kontakte bedeuten häufig weitere Strecken.

Für Menschen mit körperlichen Einschränkungen ist das ohne ein geeignetes Hilfsmittel oft kaum möglich.

Das Team des Haus Mira beschreibt Mobilität deshalb als einen Schlüssel gegen Isolation. Wer selbstständig mit einem Rollstuhl, Rollator oder einem anderen Mobilitätshilfsmittel unterwegs sein kann, erweitert seinen persönlichen Bewegungsradius und kann wieder stärker am gesellschaftlichen Alltag teilnehmen.

Dabei geht es nicht immer um große Unternehmungen.

Schon selbst entscheiden zu können, ob man das Zimmer verlässt, in einen Gemeinschaftsraum fährt oder an die frische Luft möchte, kann einen entscheidenden Unterschied machen.

Wenn ein Glas Wasser plötzlich keine Selbstverständlichkeit mehr ist

Wie sehr körperliche Einschränkungen den Alltag verändern können, zeigt ein besonders einfaches Beispiel aus dem Haus Mira.

Aufstehen, ein Glas Wasser holen, zur Toilette gehen oder kurz eine Betreuungsperson aufsuchen: Was für viele Menschen automatisch zum Alltag gehört, kann für andere eine kaum überwindbare Barriere darstellen. Selbst ein spontanes Gespräch auf dem Gang kann mit erheblichem Aufwand verbunden sein.

Genau deshalb bedeutet passende Unterstützung bei der Mobilität weit mehr als nur Fortbewegung.
Sie kann Menschen ermöglichen, wieder selbst Entscheidungen zu treffen und nicht für jede einzelne Tätigkeit auf Unterstützung angewiesen zu sein.

Zwei Mobilitätslösungen für das Haus Mira

Wir, das Team von Help-24, stellte dem Haus Mira deshalb zwei elektrische Mobilitätslösungen zur Verfügung.

Das FreedomChair S1 Elektromobil steht künftig allen Bewohnerinnen und Bewohnern zur Verfügung, die es benötigen. Es kann je nach Bedarf im Haus ausgeliehen werden.

Der faltbare FreedomChair T3 Elektro-Rollstuhl wurde hingegen einem Bewohner persönlich übergeben. Bislang war er mit einem sehr einfachen Rollstuhl unterwegs, der seine Mobilität stark einschränkte. Da er gerne außer Haus unterwegs ist, kann ihm der Elektro-Rollstuhl künftig dabei helfen, weitere Wege wesentlich leichter zurückzulegen.

Gerade größere Distanzen, die zuvor nur schwierig bewältigt werden konnten, sollen damit einfacher werden.

Mobilität schafft Möglichkeiten

Die Auswirkungen fehlender Mobilität zeigen sich nicht nur bei Freizeitaktivitäten.

Wer kaum selbstständig außer Haus gelangen kann, hat es auch schwerer, Termine wahrzunehmen oder wichtige Erledigungen durchzuführen. Die Folge kann sein, dass Menschen immer häufiger in der Unterkunft bleiben und ihr persönlicher Radius zunehmend kleiner wird.

Mit passenden Mobilitätshilfen können sich hier neue Möglichkeiten ergeben: eigenständiger unterwegs sein, größere Distanzen bewältigen und wieder stärker selbst bestimmen, wann und wohin man fährt.
Für Menschen, die durch Krieg und Flucht bereits viel Fremdbestimmung erfahren haben, hat gerade diese Entscheidungsfreiheit eine besondere Bedeutung.

Mehr als eine praktische Unterstützung
Für das Haus Mira bedeuten die beiden Mobilitätslösungen zunächst eine konkrete Entlastung im täglichen Leben. Gleichzeitig geht ihre Bedeutung für die Einrichtung über den praktischen Nutzen hinaus.

Das Team beschreibt solche Unterstützungen auch als Zeichen dafür, dass die Bewohnerinnen und Bewohner wahrgenommen werden und ihre Lebenssituation der Gesellschaft nicht gleichgültig ist. Gerade nach Erfahrungen von Krieg, Flucht und Verlust können Mitgefühl und gesellschaftliche Unterstützung neuen Mut geben.

Auch für Help-24 stand beim Besuch deshalb nicht allein die Übergabe der beiden Geräte im Vordergrund. Wichtig waren ebenso der persönliche Austausch mit dem Team und den Menschen vor Ort sowie die Einschulung in die sichere und unkomplizierte Nutzung der Geräte.

Unternehmen können gesellschaftliche Verantwortung mittragen

Soziale Einrichtungen leisten täglich wichtige Arbeit. Gleichzeitig können sie viele Herausforderungen nicht alleine bewältigen.

Das Team des Haus Mira sieht deshalb auch Unternehmen als wichtigen Teil gesellschaftlichen Engagements. Wenn Unternehmen dort unterstützen, wo konkrete Hilfe benötigt wird, kann dies soziale Einrichtungen entlasten und gleichzeitig den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken.

Für Help-24 war der Besuch im Haus Mira daher auch eine Gelegenheit zuzuhören und besser zu verstehen, welche Bedeutung Mobilität in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen haben kann.

Oft machen die kleinen Dinge den größten Unterschied

Was wünschen sich die Menschen im Haus Mira?

Vor allem Frieden, Sicherheit, Gesundheit und die Möglichkeit, wieder mit Familien und Freunden zusammenleben zu können.
Viele dieser Wünsche können wir nicht unmittelbar erfüllen.

Aber manchmal können wir dazu beitragen, den Alltag ein kleines Stück einfacher zu machen.

Wenn ein Mensch wieder selbstständig vor die Tür fahren, einen Termin wahrnehmen oder einfach die Sonne im Gesicht spüren kann, mag das auf den ersten Blick nach einem kleinen Schritt aussehen.
Für die betroffene Person kann genau dieser Schritt sehr viel bedeuten.

Denn Mobilität bedeutet nicht nur, von A nach B zu kommen.

Sie bedeutet auch, wieder selbst entscheiden zu können, wohin der nächste Weg führt.